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Die Forced use- Intensivtherapie (n. Utley/ Woll)®

Forced use- Intensivtherapie (n. Utley/ Woll)® hat zum Ziel, Krankheitssymptome zu beseitigen oder zu reduzieren, die die funktionellen Fähigkeiten der betroffenen Patienten sowie deren Lebensqualitäten beeinträchtigen. Dazu gehören auch sekundäre Schäden zu vermeiden und somit weitere Funktionsschäden.

Forced use- Intensivtherapie (n. Utley/ Woll)®ist eine sinngebende, alltags- und zielorientierte Therapieform.

 

Was bedeutet Forced use?

 

Forced use (FU) beinhaltet Behandlungsstrategien, die ein schnelleres und vollständigeres Wiedererlangen der Funktionen der oberen Extremitäten ermöglichen.

FU ist auch bekannt als Constraint Induced Movement Therapie (CIMT) oder Taub`sches Training. Beide Begriffe kommen aus dem Englischen und bedeuten „Erzwungener Gebrauch“ durch Immobilisation des nicht betroffenen Armes und der Hand.

 

Für einen großen Teil der Behandlung wird der gesunde Körperteil (Arm) durch Wegbinden an den Körper fixiert. Auf diese Weise ist der Patient „gezwungen“, den betroffenen Körperteil zu benutzen, um vorgegebene Bewegungsübungen auszuführen.

Forced use- Intensivtherapie (n. Utley/ Woll)® beruht auf dem Bobath- Konzept und hat seinen Schwerpunkt in der Behandlung von Patienten auch mit größeren motorischen Ausfällen nach einer erworbenen Hirnschädigung (z.B. nach Schlaganfall) und in der Fazilitation von alltagsorientierten Bewegungen.

Auf der Grundlage tierexperimenteller Untersuchungen beim Affen entwickelte und belegte Edgar Taub schon vor ca. 40 Jahren die Theorie des Learned non use, also übersetzt: gelernter Nichtgebrauch (Taub 1976,1977, 1980). Auf der Grundlage seiner Studien, entwickelte er 1993 schließlich dieses Verhaltenstraining für Schlaganfallbetroffene.

Seine Theorie erklärt, warum Restriktions- und Shaping- Verfahren eine Rückgewinnung der motorischen Funktionen erleichtern.

  • Restriktion = Wegbinden des nicht betroffenen Armes
  • Shaping = Steigerung von Anforderungen in Bezug auf Bewegungsradius, Zielgenauigkeit und Komplexität von Bewegungen, um mit dem Patienten sein bisher eingesetztes Verhaltensmuster zu ändern und den betroffenen Arm im Alltag wieder zu benutzen und einzusetzen.

 

  • Also: Durch ein Verhaltenmuster, bezogen auf die eigenen Bewegungen lernen, den betroffenen Arm zu benutzen und somit die Rückbildung von Defiziten selbst aktivieren.

 

Theoretischer Hintergrund:

 

Nach einem Schlaganfall, einer neurologischen Hirnverletzung oder Hirnerkrankung und deren Auswirkungen werden in der ersten Zeit mit der betroffenen Seite Bewegungsversuche unternommen, die nicht zum Erfolg führen. Mittelfristig wird der Patient immer weniger Versuche unternehmen, bis schließlich die betroffene Seite im Alltag völlig vernachlässigt wird. Man spricht vom „erlernten Nichtgebrauch“.

 

Bei den tierexperimentellen Untersuchungen mit den Affen konnte beobachtet werden, dass eine Nervenschädigung am Arm dazu führte, dass der gesunde Arm eingesetzt wurde und nicht der betroffene Arm. Als bei einem Tier der gesunde Arm in eine Schlinge gelegt und damit ruhiggestellt wurde, beobachtete man, dass das Tier nun den betroffenen Arm einsetzte, um sich zu bewegen, zu klettern und zu fressen.

 

Taub beschreibt in seinen Studien, dass Lähmungen und Bewegungsstörungen nach einer erworbenen Hirnschädigung nicht allein auf den Untergang von Nervenzellen im Hirn zurückzuführen sind, sondern auch auf einen Lernprozess.

 

Was soll erreicht werden?

 

Bei der Forced use- Intensivtherapie (n. Utley/ Woll)® wird eine erwünschte Bewegung in kleinen Schritten aufgebaut, indem sukzessiv eine Annäherung an den komplexen Bewegungsablauf eingeübt wird. Die komplexe Bewegungssequenz wird in einfache Teilbewegungen zerlegt, die zuerst einzeln geübt und verstärkt wird und schließlich schrittweise wieder zu einem Gesamtbewegungsmuster zusammengesetzt wird. Dadurch soll erreicht werden, dass der Patient seine betroffene Extremität auch außerhalb der Trainingssituation in alltäglichen motorischen Abläufen einsetzt.

Wirksamkeit

Die bisherige Forschung hat gezeigt, dass dieses verhaltensmedizinische Trainingsprogramm die Funktionalität und Qualität von Bewegung innerhalb von zwei Wochen signifikant verbessert und dass dieser Effekt nicht nur über den Zeitraum des Trainings stabil bleibt, sondern die erzielten Verbesserungen von Patienten im täglichen Leben übertragen werden (Taub et al. 1993).“

Inzwischen konnte in mehreren klinischen Studien die Wirksamkeit dieser Therapie nachgewiesen werden (Taub et al., 1993; Kunkel et al., 1999; Miltner et al., 1999). Außerdem wurden inzwischen über 400 Puplikationen veröffentlicht.

Wie sind die Erfolgsaussichten und wann kann damit begonnen werden?


Unmittelbar nach einer erworbenen Hirnschädigung (u.a. Schlaganfall oder SHT) sind die Erfolge dieser Therapieform am schnellsten sichtbar, da hier noch kein „Nichtgebrauch“ erlernt wurde. Ein sofortiger Therapiebeginn wäre ideal. Aber auch
lang zurückliegende Schlaganfälle oder SHT haben die gleiche Aussicht auf Funktionsverbesserung bzw. Wiederherstellung. Einzige Einschränkung sind bis dahin evtl. entstandene orthopädische Veränderungen, die in der Therapie etwas mehr Zeit benötigen.


Nach einer 14tägigen Therapie kommt es dann tatsächlich zu einem vermehrten Einsatz des Armes im Alltag, das veränderte Verhalten der Patienten wird auch längerfristig beibehalten. Die Therapie ist also wirksam und nützlich, wenn es darum geht, dass der Patient im Alltag die Armfunktionen, die ihm zur Verfügung stehen, auch tatsächlich benutzt.

 

Die Therapie erfolgt als sensomotorisch-funktionelle Einzelbehandlung, wobei die angebahnten Arm- und Handfunktionen aktiv und möglichst zweckgebunden eingesetzt werden.

 

Voraussetzung für die Forced use- Intensivtherapie (n. Utley/ Woll)® ist ein motivierter Patient, denn Intensivtherapie bedeutet bis zu 6 Stunden Therapie täglich für zwei Wochen. Allein 2-4 Stunden dieser Zeit werden für Forced use eingesetzt.

 

Studien

 

Die Wirksamkeit von Forced use bei Patienten nach Schlaganfall oder anderen erworbenen Hirnschädigungen (z.B. Schädelhirntrauma) wurde besonders in den letzten Jahren mehrfach durch zahlreiche Studien belegt (Taub et al., 1993; Kunkel et al., 1999; Miltner et al., 1999). Außerdem wurden inzwischen über 400 Publikationen veröffentlicht.

 

Im Internet findet man außerdem eine Vielzahl von Studien zur Wirksamkeit von Forced use.

 

Allen ist gemeinsam:

Aktives und aufgabenorientiertes Bewegungstraining mit hoher Trainingsintensität ist effektiver als herkömmliches konventionelles bewegungstherapeutisches Vorgehen. Bemerkenswert dabei ist die Nachhaltigkeit dieser Therapieform. Die Studien belegen damit, dass das Gehirn lebenslang fähig ist, neue Nervenverbindungen zu knüpfen. Deshalb wird mit der Forced use- Intensivtherapie versucht, die Neuroplastizität bei Patienten nach Schlaganfall/ Hirnschädigung durch dieses innovative Bewegungstraining gezielt anzuregen.

Die bisherige Forschung hat gezeigt, dass dieses verhaltensmedizinische Trainingsprogramm die Funktionalität und Qualität von Bewegung innerhalb von zwei Wochen signifikant verbessert und dass dieser Effekt nicht nur über den Zeitraum des Trainings stabil bleibt, sondern die erzielten Verbesserungen von Patienten im täglichen Leben übertragen werden.“ (Taub et al. 1993).

Aktuellen Untersuchungen zufolge verbessern sich bereits nach zwei Wochen deutlich die Beweglichkeit

der betroffenen Gliedmaßen und die Fertigkeiten der Alltagshandlungen.“ (www.internisten-im-netz.de)

Beispiele:

    • Dissertation von 2005 von Ina Uhde im Neurozentrum des Universitätsklinikums Hamburg- Eppendorf unter der Leitung von Prof. Dr. med. Joachim Liepert mit dem Thema „Effekte einer Forced use Therapie auf die Reorganisation im Motorkortex bei Schlaganfallspatienten im subakuten Stadium“
    • Studie 2002 „ Motorische Rehabilitation nach Schlaganfall“
    • Die „therapieinduzierte kortikale Plastizität nach Schlaganfall“
    • Studie gezielter Bewegungsprogramme bei Patienten mit MS ( Amper Kliniken AG, Dachau)
    • Untersuchung des klinischen Nutzens eines „Musters zum erzwungenen Gebrauch“ für Patienten mit geringer bis starker Beeinträchtigung der Motorik in den oberen Extremitäten, Jan Utley und Susan Woll 2002 in Los Angeles

 

Welche Kosten entstehen?

 

Für eine Behandlungsdauer von zwei Wochen á 4 Stunden täglich entsteht ein Therapieaufwand von 40 Stunden

mit 1 Therapeuten á 69,00 €